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"5000 Wohnungen? No way"

kommunalpolitische Themen • Flughafen Tegel

Der NordBerliner im Gespräch: Stefan Liebich über die Zukunft des Flughafens Tegel

MITTE. Treffpunkt Deutscher Bundestag, Unter den Linden 50, am vergangenen Mittwochabend. Stefan Liebich (DIE LINKE) hat ein großes, geräumiges Büro. Alles ist sehr ordentlich. Dorthin gelangt man am besten mit dem Fahrstuhl und überlange Flure. Liebich lebt in Pankow. Hier donnern tagein, tagaus die Flugzeuge vom Flughafen Tegel über seinen Kopf. Das möchte Liebich am liebsten so schnell wie möglich ändern.

Herr Liebich, soll der Flughafen Tegel schließen oder offen bleiben?

Stefan Liebich: Schließen natürlich. Die Menschen, die in Reinickendorf und Pankow leben und seit Jahren dem Lärm ausgesetzt sind, müssen endlich Ruhe haben. Ich erlebe das ja jeden Tag. Als klar war, dass TXL schließen soll, bin ich nach Pankow gezogen. Dass es letztendlich anders gekommen ist, hat natürlich alle überrascht.

Haben Sie neue Ideen für die Nachnutzung des Flughafenareals?

Nein. Aber ich werde mich dafür stark machen, dass die gemachten Pläne umgesetzt werden. Das ist jetzt wichtig und dass der Senat sich nicht wieder Neues einfallen lässt oder Ideen streicht.

Zum Beispiel?

Die Beuth-Schule will sich hier ansiedeln, das finden wir von der LINKEN gut. Überhaupt ist es sinnvoll, hier einen Standort für Wissenschaft zu etablieren.

Was halten Sie von der Idee eines Olympisches Dorfes in Reinickendorf?

Nichts. Die Idee des Senats, dass ein Olympisches Dorf auf dem Gelände des Flughafens Tegel entstehen soll, ist keine gute Idee. Auf den Bezirk wurde von Senatsseite auch nicht richtig eingegangen, nichts wurde mit dem Bezirk abgesprochen. Statt 1000 Wohnungen auf dem Airport-Gelände sollen plötzlich 5000 neue Wohnungen südlich des Kurt-Schumacher-Platzes für das Olympische Dorf entstehen. No way. Das bedroht die eigentlichen Pläne für dieses Areal und würde zu Konflikten zwischen den dann neuen Bewohnern und den geplanten Gewerbefirmen des Hightechparks führen. Das wiederum bedroht die Ansiedelung der Unternehmen in Reinickendorf, die für den Bezirk ein Gewinn sind. Zumal sie ja auch Arbeitsplätze schaffen. Außerdem ist der Boden unter TXL kontaminiert. Alles wurde mit Bodenplatten zubetoniert, da geht nichts durch und ist für Gewerke kein Problem. Werden dort Wohnungen gebaut und leben Menschen dort, sieht das schon wieder ganz anders aus. Dann wird der Senat richtig viel bezahlen müssen. Ich halte auch nichts von der Bewerbung Berlins für die Olympischen Spiele. Wie viel Geld alleine schon dafür ausgegeben wird...

Sie sind also wirklich überzeugt, dass TXL schließen wird?

Ja. Ein Flughafen mitten in der Stadt ist für viele Reisende zwar bequem, ich selbst reise auch sehr viel und schätze die Nähe. Aber es geht auch um Sicherheit. Die Flugzeuge fliegen dicht über bewohnten Gebieten, nicht auszudenken, wenn da mal etwas passiert. Dass BER außerhalb Berlins liegt, finde ich nicht schlimm. Das ist keine nennenswerte Entfernung, die die Aussage von Kritikern rechtfertigt, die Hauptstadt hätte dann keinen Flughafen mehr, nur weil er im Land Brandenburg liegt.

Stefan Liebich wurde 1972 in Wismar geboren und wuchs zunächst in Greifswald auf. 1984 zog die Familie nach Berlin-Marzahn. 1990 trat Liebich der PDS bei. Von 1992 bis 1995 studierte er im Rahmen eines dualen Studiums an der Technischen Fachhochschule Berlin (heute Beuth Hochschule) Betriebswirtschaftslehre / Wirtschaftsinformatik und arbeitete parallel bei IBM. Dort bot man ihm mit dem Abschluss des Studiums auch einen Arbeitsvertrag an, den er unterschrieb. Im Herbst 1995 wurde Liebich Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, direkt gewählt im Ortsteil Biesdorf. Dort war er unter andere m Fraktionsvorsitzender sowie wirtschafts-wissenschafts- und finanzpolitischer Sprecher. Nach den Berliner Wahlen 2001 scheiterten die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP, so dass Liebich als PDS-Landesvorsitzender an der Seite von Gregor Gysi und Harald Wolf die erste SPD-PDS-Koalition in Berlin aushandelte, 2009, nach der im dritten Anlauf gelungenen Wahl in den Deutschen Bundestag, legte er sein Mandat im Abgeordnetenhaus nieder. Im Bundestag beschäftige er sich neben seiner Arbeit für seinen Wahlkreis Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee mit Friedens-, Sicherheits- und Außenpolitik und ist deshalb Mitglied des Auswärtigen Ausschusses für die Fraktion DIE LINKE.

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