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Tegel:

kommunalpolitische Themen • Flughafen Tegel

Landeplatz für Ideen

Forum der Linkspartei zur Nachnutzung des Flughafens /
Favorit: Zentrum für Umwelttechnologien

Von Bernd Kammer

»Hier ruht der Flughafen Tegel« – den Grabstein hält die Reinickendorfer LINKE in ihrem Tegeler Parteibüro schon bereit. Am Montagabend traf man sich hier zu einem öffentlichen Forum, um über Nachnutzungsideen für die Zeit nach der »Beerdigung« Tegels – der Airport soll bekanntlich spätes­tens sechs Monate nach Eröffnung des Großflughafens BBI Ende 2011 geschlossen werden – zu re­den. Wobei Stefan Liebich, wirtschaftspolitischer Sprecher der LINKEN im Abgeordnetenhaus, nach dem jüngsten Vorstoß Eberhard Diepgens noch eine Wiederholung der CDU-Antischließungs­kampagne be fürchtet.

Darauf müsse man diesmal besser vorbereitet sein und rechtzeitig die Perspektiven für das Areal aufzeigen, so Liebich. Auch Sascha Braun, SPD-Fraktionschef in Reinickendorf, will den »Tempel­hof-Fehler« nicht erneut machen und frühzeitig die Menschen einbeziehen. Einig waren sich beide, dass das Areal nicht zubetoniert werden dürfe. Die Vorschläge des Tegel-Architekten Meinhard von Gerkan, vor allem im Terminal ein Zentrum für Solar-, Wind- und Umwelttechnologien einzurich­ten, werden von ihnen unterstützt.

Die LINKE kann sich auch vorstellen, die Start- und Landebahnen zur Erprobung von Fahrzeug­technik zu nutzen, beispielsweise zur Entwicklung von Elektromotoren für die BVG. Das Areal um den Flughafensee, etwa ein Drittel der 460 Hektar großen Fläche, solle renaturiert, die Frischluft­schneise dürfe nicht gefährdet werden, ebenso die Kleingärten. Den trennenden Autobahnstummel am Kurt-Schumacher Platz möchte die Linkspartei zur Stadtstraße zurückbauen. Die Debatte sei aber erst am Anfang, so Liebich. Mit dem Thema befasst sich in der Partei bereits ein sogenanntes Kompetenzteam, in diesem Jahr soll es noch einen Workshop geben.

Ziemlich genau wissen besonders die Reinickendorfer Genossen schon, was alles nicht auf dem Ge­lände passieren darf: Weitere Konsumtempel, eine Nutzung als Messe- und Kongresszentrum wer­den ebenso abgelehnt wie eine Offenhaltung als Reserve-Flugplatz, wie es offenbar Diepgen vor­schwebt. Gewerbe, das zu bereits vorhandenen Strukturen in Konkurrenz steht, ist unerwünscht. Auch für eine Olympiabewerbung, wie von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ins Spiel gebracht, dürfe das Gelände nicht zur Verfügung stehen. Für Liebich wäre das eine »Scheinlösung«, die viel Geld kosten könne, und auch Braun findet es nicht so gut, den Flughafen­see »zur Regattastrecke« zu verlängern. Bis zu einer erneuten Olympiachance würde zudem zu viel Zeit vergehen.

Mit der Reinickendorfer SPD, die eine dreigeteilte Nutzung vorschlägt – Aufforstung, Dienstleis­tungszentrum aus kleinen Gewerbebetrieben sowie familiengerechtes Wohnen am Nordostrand – waren sich die LINKEN weitgehend einig. Ein Dissens zeichnet sich lediglich beim Wohnungsneu­bau ab – den kann sich die LINKE nur vorstellen, wenn es sich um soziales Wohnen handelt, ver­knüpft mit hoher Energieeffizienz.

Die Ansiedlung von Industriebetrieben, wie von der IHK gefordert, konnte sich in der Runde nie­mand vorstellen, schon gar nicht Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen. Jürgen Maierhöfer von der Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz sieht das Areal als Experimentierfeld für zukunftswei­sende Energien, mit Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Mit dem Wald, der hier einmal wachsen soll, könnten die Biomassekraftwerke von Vattenfall beliefert werden.

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